Jamshid Naghizadeh-Nouniaz, Ph.D.
* 10. November 1935
21. Juni 2011
Geburtsort: Tabriz, Iran
Letzter Wohnort: Berlin, D

Jamshid Naghizadeh-Nouniaz, Ph.D.

Als Sohn von Banu Kokab Sadr Sahib Qualam und Sadegh Naghizadeh-Nouniaz verbrachte Jamshid seine Kindheit in Tabriz, Azerbaidschan, Jamshids Schwestern Hakimeh, Fahimeh und Naimeh sind noch am Leben, die Muttersprache war Türkisch. Als Jamshid 14 Jahre alt war, übersiedelte die Familie in die Hauptstadt nach Teheran. Dort war er ein begabter Schüler der renommierten Sharaf High-School, sein Abschlusszeugnis wies ihn als einen der Besten seines Schul- und Wohnbezirks aus, Nähe Kakh-e-Golestan.

Mit 17 Jahren ging Jamshid in die Vereinigten Staaten und besuchte das College in Pennsylvania.
An der Colorado School of Mines absolvierte er seinen Bachelor innerhalb von drei Jahrern.
Anschließend trat er an der Universität von Chicago einem Doktoranden-Programm in Physikalischer Chemie bei und promovierte innerhalb von vier Jahren bei Stuart A. Rice, sein Ph.D. war 'cum laude' ausgezeichnet. Als Postdoctoral Fellow verbrachte Jamshid zwei Folgejahre in Eugene, Oregon, und an der UCLA, in San Diego, Ca. Für zwei weitere Jahre kam Jamshid nach Deutschland, um am bekannten Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin zu forschen. Von dort kehrte er nach Teheran zurück, wo er als Ordentlicher Professor an der privaten National Universität, Daneshgah Melli, lehrte. Während der mehrmonatigen Sommerferien und für die Dauer eines Sabbaticals arbeitete er immer noch am Fritz-Haber-Institut. Später richtete er das IBB, Institute for Biochemistry and Biophysics, an der staatlichen Universität Teheran ein, dem er als Direktor vorstand.

Nach der Reform im Iran war Jamshid noch in Deutschland beschäftigt, an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Fünf Jahre später ging er wieder in die USA, um seine Forschungs- und Lehrtätigkeit dort fortzusetzen. Jamshid war als Associate Member oder Mitglied namhafter wissenschaftlicher Organisationen lebenslang sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Berlin tätig; er war mit Sigma Xi, der American Association for Advancement of Science und der American Chemical Society verbunden. Er war Präsident der von ihm gegründeten Polymer Devices, Inc.

Jamshid war ein in Fachkreisen weltweit bekannter Wissenschaftler, der fünf Sprachen sprach und die Fähigkeit besaß, Dinge einfach auf den Punkt zu bringen. Er veröffentlichte etwa 62 wissenschaftliche Aufsätze in bekannten Fachzeitschriften, wichtige Arbeiten wurden in Buchform neu herausgebracht. Jamshid hat inspirierend auf dem Gebiet der Polymere gearbeitet, ohne die Polymerforschung wäre das moderne Leben nicht, wie es heute überall auf der Erde und im All ist.

Jamshid war mit Wera Wolff verheiratet, die er 1965 in Berlin kennengelernt hatte; Wera und Jamshid bekamen zwei Töchter, Nasila und Simin, und besaßen Wohnsitze in Berlin und Teheran, Familiensprachen waren Englisch, Deutsch und Persisch, (Farsi). Seit 1978 hatte die Familie ihren Lebensmittelpunkt ausschließlich in Berlin. Jamshid war amerikanisiert und von westlichem Habitus, was ihn nicht hinderte, persische Traditionen zeitlebens in Ehren zu halten und beispielsweise Noruz, das persische Neujahrsfest, zu feiern, wo auch immer er sich gerade aufhielt.

Jamshids Souveränität und Taktgefühl geboten ihm, sich stets verbindlich zu zeigen, Jamshid war allgemein beliebt. Jamshid blieb stets in erster Linie Mensch und war den Dingen des Lebens zugetan. Ebenso paradox, wie wahr: Jamshid hat uns zu früh und zu jung verlassen und war doch schon zu alt, um noch gegen eine schwere Krankheit zu bestehen.
Jamshids Verlust lässt sich nicht wieder gut machen, die Erinnerung an ihn bleibt.